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Auf ein Wasser mit... Jörn Logemann - Trinkwasser genießen und schätzen

Auf ein Wasser mit... Jörn Logemann - Trinkwasser genießen und schätzen

Nach unserem wichtigsten Lebensmittel kräht kein Hahn – oder doch?

Jörn Logemann machte die eH-Redaktion darauf aufmerksam, dass „sauberes Wasser“ sogar bei den 17 globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) der UN-Agenda 2030* ein wichtige Rolle spielt. Das fanden wir bemerkenswert, also haben wir nachgefragt …


Steckbrief Jörn Logemann
        • Vertriebsleiter für Trinkwasserspender bei Niedersachsen Wasser
          (https://www.niedersachsen-wasser.de/trinkwasserspender) 
        • Seit 2018 bei der 100-prozentigen OOWV-Tochter
        • „Wassermann“ aus Überzeugung
        • Als Friese der Region verbunden
        • Sieht Trinkwasser als DAS Lebensmittel aus der Region
                        Jörn Logemann_Trinkwasserspender
                        Bild:
Jörn Logemann plädiert für das Wertschätzen unseres Lebensmittels Nr. 1 als
                           Voraussetzung für den nachhalten Umgang mit dieser lebenswichtigen Ressource.

Nachhaltigkeitsziele

Herr Logemann, was in aller Welt haben Sie und unser Trinkwassernetz mit den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen zu tun?
Nun, wir wirken als kleiner Dienstleister bei der großen Aufgabe der kommunalen Grundversorgung mit einwandfreiem Trinkwasser mit, und um dieses Lebensmittel Nr. 1 geht es in Ziel Nr. 6: die „Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle zu gewährleisten“. Indirekt haben übrigens alle Trinkwassernutzer auch mit Ziel Nr. 14 zum Gewässerschutz zu tun, denn wir machen aus einem Großteil unsers guten Trinkwassers Brauchwasser, das über die Kanalisation zurück in den Wasserkreislauf geht. Mein Thema ist aber quasi der Lieferservice unseres Lebensmittels Nr. 1 bis ins Haus.


Ist das in unserem relativ wohlhabenden und wasserreichen Land nicht eine Selbstverständlichkeit?
… vielleicht etwas zu sehr. Damit meine ich nicht bloß, dass noch immer 785 Millionen Menschen auf der Welt keine grundlegende Trinkwasserversorgung haben, was unsere Privilegiertheit hier drastisch zeigt; es ist einfach wichtig, ein Bewusstsein für den Wert guten Trinkwassers zu schaffen. Mit öffentlich zugänglichen Trinkwasserstellen und Trinkwasser als nachhaltiger Alternative zu abgepackten Getränken möchten wir bei Niedersachsen Wasser zumindest ein wenig dazu beitragen.

 

Sie meinen damit das Aufstellen von leitungsgebundenen Trinkwasserspendern und die Aktion „Trinkwasser mobil“, den Auffüll-Service für Radler und Wanderer, an dem sich bereits einige Gastronomen im OOWV-Gebiet beteiligen?
Genau, das sind letztlich zwei Seiten derselben Medaille, nämlich der Nachhaltigkeits-Medaille: Das Auffüllen von Trinkflaschen spart ja nicht bloß die Ressourcen und die Entsorgung von Getränkegebinden. Die Frei-Haus-Lieferung durchs Leitungsnetz ist auch nahezu frei von Emissionen! Für den Transport muss keine Lkw-Flotte in Marsch gesetzt werden, die unsere Straßen und unsere Luft belastet.

 

Mit diesem Öko-Argument sprechen Sie sich nicht zuletzt für das Aufstellen von Trinkwasserspendern aus, wie grün ist denn Trinkwasser verglichen mit Wasser aus dem Getränkemarkt?
Die GUT Certifizierungsgesellschaft für Managementsysteme hat sich tatsächlich die Mühe gemacht, das einmal zu beziffern und in einem Umweltgutachten den CO2-Fußabdruck von Mineral- und Trinkwasser entlang des gesamten Lebenswegs miteinander verglichen. Ich zitiere: „Das bedeutet, dass für den betrachteten Lebensweg von Mineralwasser die 586-fachen Emissionen anzusetzen sind, wie für den von Trinkwasser.“**. So viel machen Verpackungen und Transportfahrten aus.

Das klingt ja fast so, als gäbe es weitere indirekte Berührungspunkte mit Nachhaltigkeitszielen?
Allerdings, hier werden Ziel Nr. 12 „Nachhaltiger Konsum und Produktion“ berührt sowie Ziel Nr. 13 „Maßnahmen zum Klimaschutz“ und durch die umweltschonende Entlastung von Schadstoffen – man denke allein an die irrsinnigen Mengen von PET-Flaschen und die Lkw-Abgase – letztlich auch Ziel Nr. 15 „Leben an Land“.

 

Umwelt- und Klimaschutz durch Trinkwasserspender statt Getränkeverkauf? Ist unser Leitungswasser ein Ökomusterschüler?
Die glatte Eins setzt einiges voraus: Ökologisch gesunde Trinkwasserschutzgebiete, in denen die Brunnen, aus denen unsere Wasserwerke schöpfen, gegen Kontaminationen so gut wie nur irgend möglich geschützt sind. Die Trinkwasserspender, die Niedersachsen Wasser aufstellt, werden zudem alle turnusmäßig gewartet, um ihre hygienisch einwandfreie Funktionssicherheit zu gewährleisten.

Weil wir uns unserer Sache so sicher sind, hat unser Mutter, der OOWV, ein eigenes Programm für Schulen und Kindergärten aufgelegt: „Trink!Wasser“. Hier fördert der OOWV das Aufstellen von Trinkwasserspendern im OOWV-Gebiet mit einem namhaften Betrag. Didaktische Aspekte ergänzen das Programm, indem es Infomaterial über den Wasserkreislauf und seine Schutzbedürftigkeit gibt. Eine „Wasserschatzkiste“ enthält Arbeitsmaterialien, Spiele und aufschlussreiche Experimente zu unserem wichtigsten Lebensmittel und seinen Kreislauf.

Hinzu kommt: Wenn schon Kinder eine gewisse Wasser-trink-Routine erlernen, vermeiden sie stark gezuckerte Getränke, die einen hohen Anteil zur Fehlernährung beitragen.

 

Die kräftige finanzielle Förderung von Trinkwasserspendern für Schulen und Kitas legt den Verdacht nahe, dass die ökonomische Bilanz nicht ganz so rosig aussieht wie die ökologische, wenn man sie mit beispielsweise Mineralwasser vergleicht?
Ganz im Gegenteil: Unser Trinkwasserspender-Angebot rechnet sich für die Aufsteller auch ohne die Förderung ganz vortrefflich. Das zeigt eine Modellrechnung, die wir für einen Bürobetrieb mit 50 Beschäftigten aufgestellt haben: Bei dieser Wirtschaftlichkeitsbetrachtung über fünf Jahre habe ich recht preisgünstiges Mineralwasser mit einem unserer hochwertigsten Wasserspender – mit CO2-Sprudler und Kühlung – verglichen. Ferner habe ich unterstellt, dass lediglich zwei Drittel der 50 Beschäftigen das Wasserangebot nutzen. Trotzdem ergibt sich eine Kostenersparnis von gut 30 Prozent! Der wirtschaftliche Vorteil kann noch deutlicher ausfallen: je mehr Wassertrinkende, desto größer die Einsparung.

Sie empfehlen das Aufstellen von Trinkwasserspendern also auch für Unternehmen, weil sich hier ökologische und ökonomische Vorteile addieren?
Absolut. Auch für das betriebliche Gesundheitsmanagement ist das vorteilhaft. Genügend Wasser zu trinken hält uns fit. Und ein Trinkwasserspender ist zudem viel bequemer als jeder andere Getränke-Service: keine Wasserkästen, kein Einkauf, kein Lagerung – nie wieder Ärger mir fehlenden Pfandflaschen.

 

Zu guter Letzt: Was ist aus Ihrer Sicht eigentlich die wichtigste Frage zum Thema Leitungswasser?
Es ist die Frage der Qualität und einer entsprechenden Wertschätzung. Ich habe in letzter Zeit auch viel mit Geflüchteten zu tun, etwa auch aus der europäischen Ukraine: Die Menschen aus diesen Ländern können es kaum fassen, dass sie hier gefahrlos aus jeder Zapfstelle hygienisch unbedenklich bestes Trinkwasser schöpfen und genießen können. Sie sind Trinkwasser aus Kunststoffkanistern gewohnt und Leitungswasser wird abgekocht. Dass unsere Trinkwasserverordnung festschreibt, dass hierzulande das best kontrollierte Lebensmittel aus jedem Wasserhahn sprudelt und dies auch umgesetzt ist, verblüfft sie geradezu. Dieses Maßstab setzende Niveau müssen wir bewahren und möglichst auch international, im Sinne von SDG 6, realisierbar machen. Dass wir uns den wahren Wert unseres Wassers klar machen, ist ein Anfang. Wir asen nur allzu oft mit unserem Lebensmittel aus der Leitung herum, als gäbe es kein Morgen. Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden Ihren Pool oder auch bloß das Planschbecken mit Mineralwasser befüllen – nicht einmal das preisgünstigste Quellwasser vom Discounter würde man dafür nehmen!

Also: Es lebe unser hochwertiges Leitungswasser, es ist unser Lebenselixier …

 

Darauf stoßen wir an mit einem Glas vom Feinsten, prosit!


* „Die Welt umgestalten“ 2015 verabschiedeten die UN-Staaten die Resolution 70/1 mit dem Titel „Die Welt umgestalten“. Darin wurden 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) formuliert, um bis zum Jahre 2030 eine bessere, friedlichere Welt mit weniger Armut und Hunger, aber mehr Bildung und Umweltschutz zu schaffen. Im September treffen sich die Staatschefs zur SDG-Halbzeitbilanz bei der UNO in New York.
** Untersuchung im Auftrag von a tip: tap e.V. Gefördert durch die Nationale Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Februar 2020

Bildnachweise:
Bild Jörn Logemann: Niedersachsen Wasser Dienstleistungs- und Kooperationsgesellschaft mbH
Bild "17 Ziele": Engagement Global gGmbH - Service für Entwicklungsinitiativen über www.17ziele.de

Johannes Kelschebach

meist in Oldenburg und viel unterwegs...
Dürfen wir Sie fragen wie eigentlich alles begann?: Ja, dürfen Sie - studiert habe ich Neu,- und Altgermanistik und Philosophie. Danach war ich viele Jahre als Werbetexter und Kreativdirektor für Agenturen tätig.
Und heute?: Seit 2006 arbeite ich als freiberuflicher Kommunikationsberater.
In Ihrer Freizeit erleben Sie auch viel, oder?: Nun, ich bin oft unterwegs. Vor allem in der Natur. Wie sagt man so schön, als Naturgucker und Vogelbeobachter.
Bildnachweis/Portrait: Privat

Johannes Kelschebach

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Dürfen wir Sie fragen wie eigentlich alles begann?: Ja, dürfen Sie - studiert habe ich Neu,- und Altgermanistik und Philosophie. Danach war ich viele Jahre als Werbetexter und Kreativdirektor für Agenturen tätig.
Und heute?: Seit 2006 arbeite ich als freiberuflicher Kommunikationsberater.
In Ihrer Freizeit erleben Sie auch viel, oder?: Nun, ich bin oft unterwegs. Vor allem in der Natur. Wie sagt man so schön, als Naturgucker und Vogelbeobachter.
Bildnachweis/Portrait: Privat
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