Es ist ganz einfach: Wie Haus und Garten zur nachhaltigen Oase werden
Die Sommersonne verbrennt den Rasen, es gibt zu wenig Schatten rund ums Haus und im Winter ist der Garten öde und matschig? Das muss nicht sein.
Im Interview gibt Markus Indorf Tipps, wie ein naturnaher und nachhaltiger Garten selbst gestaltet werden kann und wie sich trotz Klimawandel die Temperatur im Eigenheim durch Begrünung steuern lässt. Angesichts von langen Trockenzeiten und Starkregenfällen wird das immer wichtiger.
Markus Indorf (53) ist Betriebsleiter des in Brake, Wardenburg und Aurich ansässigen Unternehmens Stadt.Land.Grün, das sich der naturnahen Gestaltung und Pflege von Grünflächen und Gewässern verschrieben hat.
Bild: Markus Indorf (53) ist Prokurist und Betriebsleiter bei Stadt.Land.Grün. Er lebt in Rastede und freut sich, wenn im Garten Essbares gedeiht.
Interview - Auf ein Wasser mit Markus Indorf
Herr Indorf, es wird trockener und wärmer in der Region, dazu kommt Niederschlag als Starkregen. Was kann ich als Grundstücks- und Gartenbesitzer tun, um dem Klimawandel zu trotzen?
Kurz gesagt: Ich kann Regenwasser auffangen, meine Wände und Dächer begrünen und Bäume im Garten pflanzen. Allerdings sollte man nicht zu kleine Bäume kaufen. Denn wenn ich etwas größere nehme, dann habe ich schnell was davon, beispielsweise Schatten.
Wie sieht denn ein nachhaltiger Garten rund ums Haus aus? Was kann ich da pflanzen und was passt nicht?
Ich finde es toll, wenn man Apfel- und Birnbäume hat, wenn man vielleicht auch ein wenig Gemüse anbaut. Es ist schön, wenn man den Garten nicht bloß als Ziergarten, sondern als Nutzgarten mit praktischem Wert betrachtet - und ihn dann auch ökologisch bewirtschaftet.
Das klingt verlockend, aber ist das nicht schwierig, wenn man keine Ausbildung im Gärtnern hat? Braucht man da nicht viel Geschick?
Eine große Vorbildung und viel Geschick braucht man nicht. Wer einen Garten anlegt, muss ein paar Grundregeln beachten, aber eigentlich kann es jeder.
Was gilt es also zu beachten? Kann man einen „Rasen und Kirschlorbeer“-Garten selbst umgestalten?
Ja, das kann man. Man kann den Kirschlorbeer gegen eine heimische Hecke austauschen und auf Rasen verzichten. Man muss sich aber klar sein im Vorfeld: Was kann ich an Zeit investieren in den Garten und wie will sollen die Flächen gestaltet sein? Will ich sie vor allem sauber und ordentlich haben oder kann ich auch eine unaufgeräumte Ecke lassen, in der der Igel schlafen darf? Außerdem muss man beachten, ob Standort und Pflanze zusammenpassen. Man kann sich leicht informieren bei Fachleuten oder im Netz und dann selbst ans Werk gehen.
In vielen Gärten - gerade in Neubaugebieten - fehlen Bäume und so hat man wenig schattige Plätze. Wie kann ich das schnell ändern?
Auch da gilt: Bäume pflanzen und gleich eine gewisse Größe nehmen. Es lohnt nicht, mit einem kleinen Topf anzufangen, sondern es ist besser, einen Baum aus der Baumschule zu kaufen, der schon größer ist und Schatten bietet. Es ist natürlich auch eine Frage, wie viel Geld man ausgeben mag.
Was für Bäume kann ich pflanzen? Sind nur heimische Arten gut?
In der freien Natur sollte man heimische Arten pflanzen. Im privaten Garten sehe ich das entspannter. Natürlich tue ich für die Tiere und Insekten am meisten, wenn ich heimische Arten nehme. Angesichts der Klimaerwärmung kann ich auch eine Olive hinstellen oder Maulbeeren oder etwas in der Art. Walnuss zum Beispiel kommt aus dem Mittelmeerraum. Die Art kann man hier auch sehr gut pflanzen. Diese Bäume werden auch von Insekten angeflogen. Es ist nicht so, dass man mit ihnen nichts für die Tierwelt tut.
Wie schaffe ich es, dass der Garten im Sommer nicht austrocknet und im Winter zu nass ist?
Die beste Möglichkeit ist, Regenwasser aufzufangen: An jedes Fallrohr gehört eine Wassertonne. Empfehlenswert ist es, Zisternen anlegen zu lassen beim Neubau oder bei der Sanierung. Mit Zisternen lassen sich größere Mengen Regen unterirdisch speichern, die bei Trockenheit verbraucht werden. Das heißt, man speichert das Regenwasser zwischen und gibt es wieder auf die Fläche ab, wo es auch runtergekommen ist.
Was kann ich noch tun, um in meiner direkten Umgebung mit dem Klimawandel umzugehen?
Fassaden und Dächer zu begrünen ist eine genial. Ich schaffe damit einen Lebensraum für Insekten und habe einen Wasserspeicher. Das hat viele Vorteile. Bei Starkregenereignissen bleibt das Wasser zunächst in der Begrünung, bevor es nach und nach abgegeben wird. Zu unterscheiden sind die extensive und die intensive Dachbegrünung. Bei der extensiven habe ich übers Jahr kaum was zu tun, da muss ich nur mal Pflanzen rausnehmen, die nicht passen. Die intensive Dachbegrünung ist wie ein normaler Garten. Dafür ist der begrünte Hochbunker in Hamburg das beste Beispiel. Dachbegrünung schützt übrigens das Dach. Es ist langlebiger, weil keine UV-Strahlung mehr darauf trifft. Das kostet allerdings Geld, das sollte man wissen und beachten. Im Haus habe ich es kühler mit Dachbegrünung, es entsteht ein deutlich besseres Mikroklima. Fassadenbegrünung ist ebenfalls eine gute Idee. Ich habe bei mir zu Hause Spalierobst an die Fassade gesetzt. Das macht nicht die Fassade kaputt, aber es wirft Schatten auf sie und kühlt die Fassade so.
Nicht jeder hat ein Eigenheim mit Garten. Wenn ich mich mit Balkon oder Terrasse begnügen muss, was kann ich dann tun?
In dem Fall kann ich mit Kübelpflanzen arbeiten, zum Beispiel mit Oliven oder Oleander. Auch das kühlt, weil es Schatten wirft, und sorgt für ein besseres Mikroklima. Gut sind auch Tomaten und andere Gemüsesortenwie Gurken. Zucchini und Erdbeeren wachsen auch im Kübel gut. Wegen des Wasserbedarfs ist es gut, wenn ich Regenwasser sammele. Dann habe ich es auf dem Balkon schön grün – und kann sogar etwas ernten.
Über das Unternehmen STADT.LAND.GRÜN
Stadt.Land.Grün ist mehr als ein üblicher Garten- und Landschaftsbaubetrieb. Das Unternehmen hat sich dem ökologischen Landschaftsbau verschrieben und kümmert sich mit Nachdruck um Biodiversität, also biologische Vielfalt.
Angesichts der Erwärmung des Klimas und dem Artensterben bei Tieren und Pflanzen dürfte das Bewahren der Biodiversität ein immer wichtigeres - und schwieriges - Anliegen werden.
Bei Stadt.Land.Grün hat man das schon vor Jahren erkannt. Seit 2017 gibt es bereits ein Biodiversitätsteam, das derzeit aus fünf Personen besteht: einem Biologen, einer Biologin, zwei Ökologinnen und einem Landschaftsökologen. Sie unterstützen die Kundschaft, allen voran die Muttergesellschaft OOWV, beim ökologischen Landschaftsbau und in der nachhaltigen Pflege. Es geht darum, Naturschutz und Wissenschaft mit der praktischen Ausführung vor Ort zu verknüpfen. Der Fokus liegt auf Regenwassermanagement, Entsiegelung und der ökologischen Gestaltung von Grünflächen.
Biodiversität umfasst die gesamte Vielfalt des Lebens auf der Erde. Das Augenmerk gilt der Vielfalt der verschiedenen Tier- und Pflanzenarten, der genetischen Vielfalt, also den Unterschieden innerhalb einer Art, und der Vielfalt der Lebensräume wie Wälder, Meere oder Wiesen. Wie Betriebsleiter Markus Indorf erläutert, wurde die Stadt.Land.Grün GmbH 2006 als ein Tochterunternehmen des OOWV gegründet. „Wir haben zunächst vor alle Pflegearbeiten für den OOWV übernommen“, sagt er. Der OOWV verfügt über große Anlagen und Flächen, die ökologisch betreut werden. Daraus entwickelte sich der Bedarf für das Biodiversitätsteam. Die Fachleute dort kennen sich aus in ganz unterschiedlichen Bereichen von der Dachbegrünung bis zu wasserdurchlässigen Wegdecken.
Inzwischen unterstützt Stadt.Land.Grün nicht mehr nur den OOWV bei der ökologisch ausgerichteten Begleitung von Projekten. Unter anderen nehmen auch EWE, NPorts, Enercon und Private die Angebote des Garten- und Landschaftsbaubetriebes wahr. 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind an drei Standorten beschäftigt. Der Hauptsitz mit Verwaltung befindet sich in Brake, weitere Standorte sind Wardenburg und Aurich.
Das Biodiversitätsteam ist entsprechend gut ausgelastet. Es regt einerseits ganz praktische Vorhaben an, beispielsweise das Anbringen von bereits mehr als 1.000 Nistkästen bei der Umgestaltung oder Neuanlage von Liegenschaften. Die Teammitglieder koordinieren bei Planungen auch die Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde. Weitere Arbeitsfelder: die klimaresistente Bepflanzung, das ökologische Mähen von Wiesenflächen mit dem Balkenmäher und der Schutz von Amphibien und Insekten auf den Flächen.
Mitunter geht es auch darum, die Biodiversität dadurch zu schützen, dass Pflanzen bekämpft werden. Das japanische Springkraut, die Herkulesstaude, der japanische Knöterich an Land, das brasilianische Tausendblatt in Wasserbecken gehören zu den sogenannten Neophyten. Sie sind also gebietsfremden Pflanzen, die die einheimische Flora schädigen und verdrängen können und deshalb an der Ausbreitung gehindert werden müssen, um Vielfalt zu erhalten.
Der Klimawandel macht sich auch bei den Tieren bemerkbar. Eichenprozessionsspinner, deren Raupen nicht nur bei Menschen allergische Reaktionen auslösen können, gab es lange nur im Süden Deutschlands. Inzwischen sind sie auch im Nordwesten heimisch. „Wir müssen sie mit Spezialkräften bekämpfen“, so Markus Indorf.
Ausbildung hat bei Stadt.Land.Grün einen hohen Stellenwert
In die Ausbildung investiert Stadt.Land.Grün Zeit, Geld und Energie. Das kommt auch jungen Menschen zugute, die es auf dem Ausbildungsmarkt schwer haben, beispielsweise, weil sie von einer Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) oder der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) betroffen sind oder aus anderen Ländern stammen.
Insgesamt 17 Personen absolvieren derzeit eine Ausbildung bei dem Unternehmen: 15 im Garten- und Landschaftsbau zum Landschaftsgärtner oder zur Landschaftsgärtnerin, eine Studentin absolviert ein Duales Studium im Landschaftsbau und eine Auszubildene wird Kauffrau für Bürokommunikation.
Betriebsleiter Markus Indorf betont, dass die Ausbildung bei Stadt.Land.Grün einen hohen Stellenwert hat. „Wir bieten intern zusätzlichen Unterricht an und fördern und fordern, so viel es geht.“ Dabei arbeitet das Unternehmen mit externen Partnern zusammen und schneidert bei Bedarf individuelle Lösungen mit staatlicher Förderung. So befindet sich einer der jungen Menschen in einer Ausbildung in Teilzeit, weil das mit seiner ADHS-Situation besser zu vereinbaren ist. Bei den Auszubildenden aus der Ukraine und Kolumbien, die derzeit in der Firma sind, geht es dagegen um Sprachförderung.
Die Betreuung scheint sich auszuzahlen. Nach Auskunft von Markus Indorf sind noch mehr als die Hälfte derjenigen, die seit 2012 eine Ausbildung bei Stadt.Land.Grün absolviert haben, im Betrieb tätig. Der Betriebsleiter weiß: Qualifizierte Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt zu finden, ist nicht einfach. Umso besser, wenn Nachwuchs im Unternehmen bleibt.
Ellen Reim
Bremen
So bin ich zum Schreiben gekommen: Während des Studiums der Fächer Anglistik, Germanistik und Politikwissenschaft absolvierte ich ein Praktikum bei einer Tageszeitung. Da war es um mich geschehen.
Das bedeutet Heimat für mich: Heimat ist ein Ort mit Menschen, mit denen ich mich gut verstehe.
Mein Lieblingsort hier im Nordwesten: Ein roter Plüschsessel in Reihe 9 des Programmkinos Gondel in Bremen.
Ellen Reim
Bremen
So bin ich zum Schreiben gekommen: Während des Studiums der Fächer Anglistik, Germanistik und Politikwissenschaft absolvierte ich ein Praktikum bei einer Tageszeitung. Da war es um mich geschehen.
Das bedeutet Heimat für mich: Heimat ist ein Ort mit Menschen, mit denen ich mich gut verstehe.
Mein Lieblingsort hier im Nordwesten: Ein roter Plüschsessel in Reihe 9 des Programmkinos Gondel in Bremen.