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Grün oder Grau?

Grün oder Grau?

Immer wieder erleben wir es: Land unter. Heftige Niederschläge sorgen besonders in Städten für vollgelaufene Keller, die Gullys kommen nicht mehr gegen die Regenmassen an. Schuld ist nicht nur der Klimawandel - das Problem ist auch hausgemacht – denn wir betonieren und asphaltieren überall, was das Zeug hält. Ob neue Großbaustellen, Neubausiedlungen, Straßen, Parkplätze oder das eigene Zuhause: Bei jeglicher Form von Flächenversiegelung hält der Naturboden im wahrsten Sinne des Wortes den Atem an – und wir verlieren ein weiteres Stück unserer natürlichsten Klimaanlage.

Was genau ist Flächenversiegelung?
Flächenversiegelung bedeutet: die natürliche Fläche, also der Boden, wird durch Bauten jeglicher Art bedeckt – beispielsweise durch Bauwerke, Straßen und Parkflächen. Und zwar so, dass an diesen Stellen kein Niederschlag wie Regenwasser und auch kaum Luft in die Erde dringen kann. Die Fläche ist also versiegelt.

Wie viel ist versiegelt? Wie viel Grünflache gibt es in Deutschland?
Schmale Grünstreifen, kleine Parks, weniger Spielplätze, kleine Naturschutzgebiete – dafür immer mehr asphaltierte, bebaute, befestigte, betonierte oder gepflasterte Flächen. Laut Umweltbundesamt sind mittlerweile etwa 46 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsflächen versiegelt.

Was genau ist das Problem der Flächenversiegelung?
Zunächst einmal geht natürlicher Lebensraum verloren. Und da die Fläche zudem versiegelt ist, kann das Regenwasser nicht in der Erde versickern – es fließt stattdessen direkt in die Kanalisation und gelangt nicht mehr in den sogenannten Grundwasserkörper. Die Bodenfeuchte nimmt ab und der Wasserkreislauf ist nicht mehr im Gleichgewicht. Überschwemmungen sind eine mögliche Folge. Eine weitere spüren wir auf der Haut: Im Sommer ist es in der dichtbesiedelten Stadt häufig wärmer als auf dem Land, da viele Gebäude die Wärme besonders gut speichern.

Wie können wir Böden als Lebensräume erhalten?
Das Zauberwort heißt Entsiegelung: Also dort, wo es möglich ist, dem Boden wieder zum Atmen zu verhelfen. Dadurch verbessert sich das Kleinklima, es bildet sich mehr neues Grundwasser und die Gefahr von Überschwemmungen im Gebiet sinkt.
Die gute Nachricht ist: Es wird bereits im Großen gegengesteuert. So werden in Deutschland beispielsweise Ausgleichsflächen geschaffen und Infrastrukturen gebündelt. Das alles ist jedoch planungs- und kostenintensiv. Trotz aller Maßnahmen benötigt  die einmal gestörte Bodenfauna lange Zeit, um sich wieder zu erholen.

Was kann ich selbst gegen Bodenversiegelung tun?
Ob Auffahrt, Garten oder Zufahrtsweg: Sie können bei sich Zuhause anfangen. Der beste Schritt ist, auf Ihrem Grund und Boden weitestgehend auf Versiegelung zu verzichten. Wenn das nicht möglich ist, wählen Sie wasserdurchlässige Beläge wie Rasengittersteine, Holzterrassen, Gehölzschnitt oder Pflasterung mit Recyclingmaterialien. So wird nur ein Teil der Fläche versiegelt. In zusätzlich angelegten Mulden oder Gräben kann das Niederschlagswasser zudem langsam versickern. Übrigens rechnet sich der ökologische Aspekt nicht nur für Ihr Kleinklima, sondern auch für Ihren Geldbeutel: Denn wo Regenwasser versickern kann, entfallen Abwassergebühren. Fragen Sie bei Ihrer Verwaltung nach Entsiegelungsprogrammen für Privatpersonen.

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Rasen: Lieber zu einer Sorte aus strapazierfähigen Gräsern greifen. Diese eignen sich besonders gut, wenn im Garten viel gespielt und sich bewegt wird – also optimal für Familien mit Kindern oder Hunden.

Parkplätze: Wie wäre es mit Kies, Splitt oder Schotterrasen? Diese lockeren, wasserdurchlässigen Schichten lassen das Regenwasser in den Boden versickern. Auch Rasengittersteine oder Rasenfugenpflaster sind eine prima Alternative für Abstellplätze.

Wege: Diese Wege werden leichte sein: Schicke Holzscheiben als einzelne Trittbretter oder ein Holzpflaster aus Holzklötzen, die mit Sand und Split ausgefugt werden. Gern genommen ist auch Rindenschrot, das viel Regenwasser aufnehmen kann. Und wer es lieber steinig mag, setzt auf einzelne, große Steine mit reichlich Erde dazwischen oder Kieswege.

Auffahrten: Kennen Sie Porenpflaster? Das sind großporige, wasserdurchlässige Betonsteine, die ideal für Hofflächen geeignet sind.

Versickerung ermöglichen: Ob durch flache Mulden, unterirdische Dränrohre, Kiesrigolen oder einen Betonschacht mit durchlässiger Sohle: Gut, wenn das Regenwasser überhaupt die Möglichkeit hat, zu versickern  – und Sie dafür sorgen.

Bildnachweis:
Titelbild "Pflasterarbeiten": Smit/shutterstock.com

Kim Vredenberg-Fastje

ein Heimatkind...
Kim liebt...: ...das Gefühl von Heimat und Meer - und sie hat praktisch beides direkt vor der Haustür.
Lieblingsgetränk: Neben Kaffee, nun ja: am liebsten Wasser. Stilles, weil sie sonst eher laut ist ;o)
Lieblingstemen?: Einfach alles, was mit Heimat zu tun hat. Es darf auch gerne me(e)r sein.
Bildnachweis/Portrait: privat